FFH und Herpetofauna Monitoring von Amphibien und Reptilien 2010
FFH Monitoring-Kurs der NUA (Natur- und Umweltschutz-Akademie), des LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes NRW) und des LWL (Museum für Naturkunde) in der Außenstelle des Naturkundemuseums Münster "Biologische Station Heiliges Meer" in Recke / Kreis Steinfurt am 29. und 30. April 2010.
Nachdem wir bereits in den Jahren 2008 und 2009 die Gelegenheit hatten an den Herpeto-Kursen in der "Biologischen Station Heiliges Meer" teilzunehmen, gehörten wir zu den ersten verbindlich angemeldeten Teilnehmern am "FFH Monitoring-Kurs". Diese Veranstaltung hatte ihre Premiere in diesem Jahr und sollte zum einen der Methodik und Bestimmung der entsprechenden Arten dienen, aber auch dem interdisziplinären Austausch der mit diesem Thema betrauten Stellen innerhalb der Behörden.
Über die Unteren Naturschutzbehörden als Meldebehörde bis zu den mit den Kartierungen beauftragten Biologen und Naturschützern waren alle Beteiligten am FFH Meldeverfahren aus drei Bundesländern vertreten. Die Teilnehmer kamen aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Ziel war es möglichst alle Vorgänge, die auf Landesebene geregelt werden müssen, in allen Bundesländern gleich zu gestalten. Die große Anzahl an Anmeldungen aus der gesamten Bundesrepublik zeigte, dass sich diese Sichtweise auch an den entsprechenden Stellen durchsetzt.
Da wir bereits am Vorabend angereist waren, hatten wir die Möglichkeit mit Dr. Kronshage "Freiwillige" für den Bestimmungskurs zu verhaften. Mit Wathose und Taschenlampen bewaffnet gelang es uns etwa 30 Wasser– und einige Moorfrösche (beides FFH relevante Arten) zu fangen. Es ist wirklich ein einmaliges Erlebnis bis zur Hüfte im Dunkeln in einem Heidesee zu stehen und mit Kescher und Taschenlampe Frösche fangen zu dürfen.
Der erste Veranstaltungstag begann mit einer Einführung in die FFH Gesetzeslage und den damit notwendigen regelmäßigen Meldungen von relevanten Populationen der nach FFH besonders geschützten Tierarten. Ein reger Erfahrungsaustausch schloss sich daran an.
Zur Einstimmung ging es anschließend in ein Habitat der Zauneidechse (Lacerta agilis). Idyllisch gelegen an einem Baggersee zeigte uns Dr. Kronshage eine recht individuenstarke Population dieser wunderschönen zu den Smaragdeidechsen gehörenden Art. Uns war dieses Biotop aus den vergangenen Jahren schon bekannt. Es gelang uns einige Tiere für die anderen Kursteilnehmer zu fangen. Anhand dieser Tiere wurde dann das Bestimmungsverfahren und die Benutzung der Meldebögen erklärt. Auch ließen sie eine vorsichtige Schätzung zur Populationsgröße und Entwicklung zu.
Zurück in der Station wurden die bereits im Feld verwendeten Erfassungsmethoden im Detail erklärt. Auch die Auswertung und die Eingabe in die entsprechenden Internetanwendungen wurden vorgestellt.
Dipl. Biol. Thomas Mutz zeigte uns im Anschluss wie die Arten des Wasserfroschkomplexes voneinander zu unterscheiden sind. Der ausgewiesene Experte für diese Tiere brachte uns die Vermessung der biometrischen und phänotypischen Merkmale und die entsprechenden Meldebögen in Theorie und Praxis näher. Hier kamen unsere Fänge vom Vorabend zum Einsatz. Auch T. Mutz hatte einige Tiere im Gepäck, so dass die drei Arten des Wasserfroschkomplexes zur Bestimmung zur Verfügung standen.
Im Zusammenhang mit dieser Veranstaltung nutze eine Diplomandin die Gelegenheit einen Beitrag zu Ihrer Diplomarbeit zu bekommen. Sie arbeitet an einem Vergleich der Fängigkeit und Effizienz verschiedener Wasserfallentypen für den Fang von Amphibien. Zu diesem Zweck wurden an drei verschieden Gewässern nach einem festgelegten Schema die Fallen ausgelegt. Die von uns zuvor gefangenen Frösche bekamen dabei auch gleich ihre Freiheit zurück.
Zum Ausklang ging es noch in ein wenige Kilometer entferntes Sandabgrabungsgebiet. Dort war die Gelegenheit Kreuzkröten zu sehen und vor allem zu hören. Leider war die Ausbeute im Gegensatz zu den Vorjahren nur sehr klein. Durch die anhaltende Trockenheit ließen sich nur wenige Kreuzkröten blicken und hören.
Der zweite Tag startete mit dem Leeren der ausgebrachten Fallen. Früh am Morgen war es recht frisch in den Wathosen. Es gelang uns trotzdem alle Fallen zu bergen und die Fänge entsprechend des Schemas auszuwerten. Es konnten verschiedene Molch- und Froscharten gefangen werden. Als Beifänge gab es einige Gelbrandkäfer und Libellenlarven zu bestaunen. Highlight war aber der Erstnachweis der Wasserspinne (mit 3 gefangenen Exemplaren wohl auch recht große Population) in einem der Weiher.
Um eine Schlingnatterumsiedlung in Wuppertal ging es dann im Vortrag von Manfred Henf. Er musste eine gesamte Population von Schlingnattern und Blindschleichen erfassen, einfangen und umsiedeln. Seine Erfahrungen mit künstlichen Verstecken zum Fang und Erfassen waren hoch interessant.
Es folgte eine kurze Vorstellung der Ergebnisse aus den ausgelegten Wasserfallen durch Dr. Kronshage. Darin enthalten waren auch die Ergebnisse der vorangegangenen Versuchsreihen. Es zeigten sich die Unterschiede in den Anwendungsprofilen und Fängigkeiten recht deutlich.
Den Abschluss machte ein Vortrag von Dr. Glandt. Der Autor mehrerer Amphibien- und Reptilien-Bestimmungsbücher versuchte eine Übersicht über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Wasserfallentypen zu geben. Auch hier zeigte sich wie so oft, dass es keine Methode für jeden Einsatzzweck gibt. Je nach Art der Gewässer und der zu erwartenden Amphibienarten muss der Fallentyp sorgfältig ausgewählt werden.
Nach einer ausgiebigen Diskussion der Themen und Vorträge schloss Arno Geiger vom LANUV NRW eine sehr erlebnis- und erfolgreiche Veranstaltung.
Wir hatten die Gelegenheit viele neue Erkenntnisse und Eindrücke in einer traumhaften Kulisse zu sammeln. Eines steht fest, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit kehren wir zurück zum "Heiligen Meer", um noch mehr über die einheimischen Amphibien und Reptilien zu erfahren. Dieses Wissen wird von uns ständig erweitert und hilft uns bei vielen Natur- und Artenschutzprojekten. So versuchen wir unsere Kenntnisse in allen Bereichen möglichst auf einen aktuellen Stand zu halten. Gerne vermitteln wir dieses Wissen auch anderen in einem Vortrag oder im Rahmen unserer Ausstellungen.





